Wirbel um Wiese
München - Die Verpflichtung von Tim Wiese ist noch keine Woche alt.
Doch schon ein halbes Jahr vor seinem Wechsel vom 1. FC Kaiserslautern zu Werder Bremen gibt es Wirbel um den Torhüter. Der wehrt sich im Gespräch mit Sport1.
"Fan-Aufstand" und Klose-Kritik
"Fan-Aufstand gegen Wiese", titelte die "Sport-Bild" am Mittwoch, und am Donnerstag legte Werder-Stürmer Miroslav Klose nach.
Als "Unsympath" und "Show-Man" hatte ihn Thomas Breitkopf vom Werder-Fanklub "Vahraonen" bezeichnet. Klose, der drei Jahre mit Wiese in Lautern zusammengespielt hat, wollte zumindest die zweite Charakterisierung nicht abstreiten.
"Tim ist ein guter Keeper. Aber er muss noch lernen, nicht schon quer in der Luft zu liegen, bevor der Gegner überhaupt geschossen hat", sagte der Stürmer der "Syker Kreiszeitung".
"Ich mache meinen Job gut"
"Ich weiß nicht, ob ich immer quer in der Luft liege", sagte Wiese Sport1. "Ich mache meinen Job gut und so werde ich es auch weiter machen."
Darüber hinaus hatte Klose erklärt, beim ehemaligen U-21-Nationaltorwart sei es "eben immer die Frage, ob er auf dem Boden bleibt".
Und weiter: "Tim macht gerne einmal, was er will. Aber er wird sich anpassen müssen, sonst gibt's Feuer von der Mannschaft."
"Mein Ziel ist es, Titel zu gewinnen"
"Anpassen muss man sich überall", meint Wiese gelassen. "Ich bin auf jeden Fall überzeugt, dass meine Entscheidung richtig war. Denn Werder ist ein Verein, der um die Meisterschaft spielen kann. Und mein Ziel ist es, Titel zu gewinnen."
Tatsache ist aber auch, dass der 23-Jährige bisher nicht nur für Aufsehen durch seine starke Leistungen auf dem Platz gesorgt hat. In Erinnerung sind auch Stinkefinger gegen gegnerische Fans, Schubser gegen Mitspieler und sein auffälliges Äußeres, das dem Bodybuilder bei Mitspielern den Namen "Spiegel" einbrachte.
"Im Spiel ist es doch normal, dass du aufgedreht bist. Da raste ich dann auch schon mal aus. Aber privat bin ich ganz locker - versprochen", sagt Wiese.
Werder-Anhänger skeptisch
Doch die Bremer Anhänger sind skeptisch. "Es wird ganz sicher ein beschwerlicher Weg für ihn. Zwei, drei gute Spiele werden da nicht reichen, um die Vorbehalte zu beenden", sagte Michael Schröder vom Fanklub "Eastside".
"Was soll ich dazu sagen, wenn mal vier oder fünf Fans etwas Negatives sagen", entgegnet Wiese. "Damit habe ich kein Problem, ich habe auch viele positive Reaktionen bekommen."
Rückendeckung von Allofs und Schaaf
Rückendeckung erhält er vor allem von der Vereinsführung. "Tim Wiese ist mit 23 Jahren Stammtorhüter eines Bundesligisten. Da kann sich jeder umschauen, ob er davon noch viele andere findet", lobt Trainer Thomas Schaaf.
"Ich bin von seinen Qualitäten überzeugt", sagt auch Sportdirektor Klaus Allofs, der den Dreijahresvertrag perfekt machte. Gleichzeitig bittet er die Fans: "Gebt Wiese eine Chance."
Reinke will kämpfen
Denn ein weiteres Problem könnte die Beliebtheit des derzeitigen Stamm-Torhüters Andreas Reinke sein. Der 35-Jährige hat bereits angekündigt, dass er seinen Platz nicht kampflos räumen werde.
"Ich fühle mich körperlich total fit. Und mit mir sind wir Meister und Pokalsieger geworden, ich kann also nicht so schlecht gehalten haben", sagte Reinke.
"Mit Andreas Reinke habe ich kein Problem und mit einem Duell um die Nummer eins auch nicht", stellt Wiese klar. "Ich will auf jeden Fall spielen. Aber ich freue mich auf den Konkurrenzkampf. Er wird uns noch besser machen."
Kein Spiel mehr für Lautern?
Bis dahin muss sich der gebürtige Rheinländer allerdings noch ein wenig gedulden. Ob er bis zu seinem Wechsel überhaupt noch ein Spiel absolvieren wird, ist fraglich.
Zwar läuft die Reha nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen November beim Spiel der Lauterer gegen Freiburg gut. "Wenn es weiter so gut läuft, könnte ich in vier, fünf Wochen schon wieder im Mannschaftstraining sein. Schon jetzt mache ich Laufübungen und Krafttraining", sagt Wiese.
Doch offenbar will man beim FCK auf seine Dienste verzichten: "Ich habe gehört, dass ich kein Spiel mehr machen soll, weil die Vertragsverhandlungen gescheitert sind. Aber ich würde mich natürlich gerne auf dem Platz vom FCK verabschieden."
Im Moment sieht es nach einer frostigen Verabschiedung in Lautern und einem kühlen Empfang in Bremen aus. Gut, dass Wiese seine Gelassenheit offenbar noch nicht verloren hat.