Hier was aus der Zeitung "Hamburger Abendblatt":
Kirschsteins gigantische Abschiedsvorstellung
Er hatte sie wirklich zur Verzweiflung gebracht. Die Bayern-Spieler scheiterten immer wieder an Sascha Kirschstein im HSV-Tor. 120 Minuten schossen die Münchner aus allen Lagen, doch "Kirsche" hielt einfach alles.
Auch Bayern-Torwart Oliver Kahn gratulierte HSV-Keeper Sascha Kirschstein für seine überragende Leistung beim Pokalspiel. Foto: ap
HAMBURG -
Und dann, nach dem Schlußpfiff, geschah das fast Unglaubliche: Sämtliche Bayern-Spieler gingen auf den HSV-Keeper zu und gratulierten ihm zu seiner Weltklasse-Leistung. Auch Manager Uli Hoeneß kam und lobte den langen Hamburger, der sich geehrt fühlte: "So viel Lob von allen Seiten, das tut gut, das ehrt mich."
Auch Nationalkeeper Oliver Kahn kam zum Gratulieren: "Super gehalten, mach weiter so, bleib dran", sagte der 36jährige - Kahns Ritterschlag für den 25jährigen. Wann hat zuletzt ein HSV-Torwart einmal eine ähnlich großartige Vorstellung abgeliefert? Horst Schnoor in den 60er Jahren? Danach Rudi Kargus? Uli Stein? Oder Richard Golz? Einen solchen "Schokoladentag", ein so überragendes Spiel (das sogar über 120 Minuten), wie es Kirschstein nun in der Allianz-Arena ablieferte, hat kaum einmal zuvor ein Hamburger Torhüter gezeigt. "Das war wirklich absolute Weltklasse", befand Bayern-Trainer Felix Magath anerkennend.
Auf diesem Niveau lagen auch die anderen Lobeshymnen. "Er ist hungrig, er trainiert auch sehr gut. schade - wenn er den einen Ball auch noch gehalten hätte, dann hätte er den ganzen HSV retten können", sagte Kapitän Daniel van Buyten und fügte hinzu: "Der Sascha ist ein Super-Typ, er ist sehr gut erzogen, ein positiver Mensch, und wenn man so ist, dann kann man sich auch immer weiter verbessern- und er wird sich sicher auch noch weiter verbessern."
Für Kirschstein ("Ich habe nur meinen Job getan, und der lautet: Bälle halten") waren die Wochen vor der Winterpause, in denen er fünfmal im HSV-Tor stand, "die aufregendste Zeit meines Lebens". Doch schon im neuen Jahr könnte es wieder ruhiger um ihn werden. Dann nämlich, wenn die Nummer eins, Stefan Wächter, wieder gesund ist. Trainer Doll, der dem Wächter-Vertreter eine "sensationelle Leistung" bescheinigte, kündigte unmittelbar nach dem Spiel in München an: "Wenn Stefan Wächter wieder fit ist, kehrt er ins Tor zurück. Ich habe mich vor der Saison so entschieden, dabei bleibt es."
Hart für Kirschstein, doch er gibt sich fair: "Wenn ich wieder auf die Bank muß, werde ich damit leben. Der HSV kann sich auf mich verlassen, ich werde da sein, wenn ich benötigt werde. Und meine Klappe werde ich auch halten, ich bin ein ruhiger Typ. Ich will gut sein, fleißig sein, viel trainieren, gut trainieren." Zumal er mit seinem Konkurrenten Stefan Wächter ein gutes Verhältnis hat. Und das ist in diesem Geschäft auf dieser Position gewiß nicht die Norm.
Trotz der Enttäuschung über das Pokal-Aus zog Kirschstein, der sich vor den Spielen stets mit lauter Musik motiviert, ein positives Fazit: "Wir haben bisher eine Super-Saison gespielt, stehen auf Platz zwei, darauf kann man aufbauen. Wir werden die Bayern eben im nächsten Bundesligaspiel in München schlagen. Es wird doch Zeit, daß die mal zu Hause verlieren."
ma