Hi
Es ist wie eine Serie! Heute war der nächste Teil zur Torwartfrage in der Zeitung und da hat Stefan Wächter mächtig Dampf abgelassen!
Hier das Interview:
ABENDBLATT: Herr Wächter, sind Sie schon über Ihre Ablösung als Nummer eins hinweg?
STEFAN WÄCHTER: Drüber hinwegkommen ist wohl der falsche Ausdruck. Das verbinde ich mit weit traurigeren, eher persönlichen Schicksalen. Nein, ich bin einfach enttäuscht, daß ich rausgeflogen bin. Und das nach wie vor.
ABENDBLATT: Hatte sich Ihre Degradierung für Sie angedeutet?
WÄCHTER: Jein. Ich hatte zuletzt selbst häufiger das Gefühl. Aber klar gesagt, daß ich wackle, das hat mir vorher niemand.
ABENDBLATT: Hätten Sie das erwartet?
WÄCHTER: Ja, ich hätte vorher mal einen Tritt in den Allerwertesten verdient gehabt, um mich selbst wieder zu pushen. Nach dem Frankfurt-Spiel hatte ich auch ein Einzelgespräch mit Trainer Thomas Doll. Aber auch danach konnte ich so etwas nicht ahnen.
ABENDBLATT: Welchen Vorwurf machen Sie sich?
WÄCHTER: Daß ich es nicht offen beim Trainer angesprochen habe. Obwohl - ich glaube eigentlich auch nicht, daß das meine Aufgabe ist. Da hätte zumindest vom Torwarttrainer etwas kommen können. Ohne Ronny Teuber jetzt den Vorwurf zu machen, aber von ihm als Torwarttrainer hätte ich mir klarere Worte gewünscht, er hätte mich vorwarnen können.
ABENDBLATT: Zumal Torwarttrainer und Torhüter für gewöhnlich ein enges Verhältnis haben . . .
WÄCHTER: So sollte es sein - eigentlich . . .
ABENDBLATT: Haben Sie mit Ronny Teuber schon darüber gesprochen?
WÄCHTER: Ja, eine Stunde lang. Er hat mir aber auch nichts anderes gesagt als der Trainer. Und zu der Frage, warum er mich nicht gewarnt hat, hat er sogar gar nichts gesagt.
ABENDBLATT: Welche Schlüsse ziehen Sie für sich?
WÄCHTER: Es geht hier nicht um mich, sondern um die Mannschaft. Deshalb werde ich jetzt auch kein Miesepeter und lasse mich hängen. Obwohl es schon sehr hart ist, nach einem guten Spiel bei den Bayern und einem zweifelhaften Gegentreffer in Bukarest gleich aus dem Team zu fliegen. Zumal ich mich auf einem guten Weg gesehen hatte. Ich glaube auch, wenn das überall so gehandhabt würde, hätten wir alle zwei Wochen Torhüterwechsel in der Bundesliga.
ABENDBLATT: Hatten Sie das Gefühl, daß das Trainerteam nur auf einen solchen Fehler wie in Bukarest gewartet hat?
WÄCHTER: Ich weiß nicht, ob sie darauf gewartet haben. Aber es war zuletzt für mich schwer, mir selbst Selbstvertrauen zu holen. Und wenn man dann nicht den vollen Rückhalt genießt, wird es ganz schwer. Ich habe ja gemerkt, daß ich in meiner Entwicklung etwas stagniert habe, empfand das jedoch als normal.
ABENDBLATT: Jetzt heißt es, im Sommer gäbe es wieder einen fairen Wettkampf um die Nummer eins. Glauben Sie daran?
WÄCHTER: Mir wurde vor gerade einmal eineinhalb Monaten das vollste Vertrauen im Tor ausgesprochen. Deshalb verlasse ich mich nicht mehr auf Versprechen, sondern höre nur noch auf mein Gefühl, agiere nach Instinkt. Ich weiß im Moment noch gar nicht, was ich im Sommer will, mache mir da so meine Gedanken.
ABENDBLATT: Erwägen Sie sogar einen Vereinswechsel?
WÄCHTER: Ich möchte momentan nicht über meine Zukunft sprechen. Das wird sich zeigen. Es ist auch jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für derartige Diskussionen. Jetzt gilt es, seine Eitelkeiten zurückzustellen, um den Erfolg der Mannschaft nicht zu gefährden.
ABENDBLATT: Dabei brodelt es in Ihnen - oder täuscht der Eindruck?
WÄCHTER: Nein, natürlich ist das alles sehr hart für mich. Und eines ist doch klar: Ich werte meine Auswechslung als eindeutiges Zeichen.
ABENDBLATT: Wie meinen Sie das?
WÄCHTER: Das kann jeder für sich interpretieren . . .